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EuRegio Aachen Wirbelsäulensymposium 2017

Keine Konkurrenz in puncto Fortbildung – Fünf Aachener Kliniken organisieren gemeinsam Tagung Wünschenswert, dass Beratungen und konservative Therapien besser wirtschaftlich abgebildet werden.

Aachen. Zum 5. Mal lädt das „EuRegio Aachen Wirbelsäulensymposium“ am 9. und 10. März 2017 zur medizinischen Fortbildung ein. „Die Wirbelsäulenchirurgie untersteht einem ständigen Wandel. Und nicht alle Innovationen stellen immer eine Verbesserung dar. Wir werden aktuelle Aspekte in der Wirbelsäulenchirurgie diskutieren und hinterfragen“, erklärt Privatdozent Dr. Andreas Müller der als Teil eines wissenschaftlichen Teams verschiedener Kliniken in Aachen die Tagung organisiert. Dies ist schon eine kleine Besonderheit, dass gleich 5 Kliniken zusammen einen wissenschaftlichen Kongress in einer Region organisieren. Und deshalb soll im folgenden kurzen Interview auch jeder Vertreter einer Klinik zu einigen aktuellen Aspekten des Fachgebietes und Schwerpunkten des Symposiums einmal zu Wort kommen: Verletzungen und Degeneration sind die häufigsten Ursachen für Wirbelsäulenbeschwerden. Deshalb bilden diese beiden Themen wieder Schwerpunkte des Programmes.

Was sind dabei kontroverse Diskussionspunkte?
Herr Prof. Dr. Kobbe: Innovative Weiterentwicklungen in der chirurgischen Versorgung von Wirbelsäulenverletzungen und degenerativen Wirbelsäulenbeschwerden ermöglichen uns zunehmend operative Optionen, die uns vor einigen Jahren noch nicht flächendeckend zur Verfügung gestanden haben. Allerdings muss der Nutzen stets kontrovers diskutiert und auf den Prüfstand gestellt werden, um nicht jeder Innovation „blind“ zu folgen. Aus diesem Grund ist es besonders erfreulich, dass wir nationale und internationale Referenten mit hoher Expertise in diesen Bereichen für das Symposium gewinnen konnten.

Welche Neuerungen in der Wirbelsäulenchirurgie diskutieren Sie in diesem Jahr?
Herr Privatdozent Dr. Müller: Ein Schwerpunkt liegt in diesem Jahr sicherlich auf den minimalinvasiven Operationstechniken, sowohl bei den traumatischen, als auch bei den verschleißbedingten Wirbelsäulenerkrankungen. Interessant ist insbesondere die Möglichkeit der Knochenzementbehandlung bei jungen Patienten mit einem Wirbelsäulenbruch oder die Diskussion, ob eine Versteifungsoperation bei Rückenschmerzen immer nötig ist. Besonders freue ich mich, dass wir in diesem Jahr das erste Mal über die sogenannte Neuromodulation sprechen, die eine neue und gute Behandlungsoption bei chronischen Rückenund Beinschmerzen darstellt.

Welche Innovationen in den letzten Jahren haben deutlich zu besseren Behandlungserfolgen beigetragen?
Herr Dr. El Mansy: In den letzten Jahren gab es eine enorme Entwicklung in der minimalinvasiven Wirbelsäulenchirurgie (Schlüsselloch-OP). Dies führte zu einem geringerem Weichteiltrauma, weniger Blutverlust und reduzierten postoperativen Schmerzen für den Patienten. Somit erfolgt eine schnellere Rehabilitation sowie Rückkehr ins normale Berufsleben.

Was raten Sie Patienten vor einer Wirbelsäulen-OP? Ist eine Zweitmeinung immer angebracht? Auf welche Kriterien sollte man als Patient bei der Wahl des Krankenhauses achten?
Herr Dr. Trommer: Wichtig ist eine transparente, fachlich kompetente Aufklärung über die möglichen Behandlungsstrategien eines Wirbelsäulenleidens. Vor allem bei den chronischen Wirbelsäulenleiden spielt hier die multimodale Schmerztherapie und die Urteilsfindung über eine eventuelle OP durch verschiedene Mitglieder der Fachgesellschaften Neurochirurgie/Unfallchirurgie/Orthopädie eine wichtige Rolle. Auch technisch sollte das Haus auf dem neuesten Stand sein. Dabei hat die Zweitmeinung in der heutigen Zeit einen hohen Stellenwert.

Ein Vortrag im Programm trägt den spannenden Namen „Rücken 4.0 – Alles nur eine Frage der Faszien“? Was versteckt sich dahinter?
Herr Prof. Dr. Sobottke: Vermutlich unterschätzen wir die Rolle der Faszien in der Entstehung des Rückenschmerzes, jedenfalls haben die Faszien als Bindeglied zwischen Wirbelsäule und stabilisierender Muskulatur eine entscheidende Bedeutung. Andererseits sind die faszientherapeutischen Behandlungsangebote vielfältig und in ihrer Wirkweise nicht immer verständlich. Wir freuen uns daher auf die Experten der Sitzung „Faszien“, die uns die neuesten Erkenntnisse und die Zukunft (4.0) in diesem Gebiet erläutern werden.

Eine letzte Frage: was wünschen Sie sich für die kommenden Jahre? Wo besteht in der Wirbelsäulenchirurgie dringender Verbesserungsbedarf?
Herr Privatdozent Dr. Müller: Ein bekanntes Phänomen ist der wirtschaftliche Druck, unter dem nicht nur die Wirbelsäulenchirurgen stehen, das betrifft das gesamte Gesundheitssystem. Dennoch muss grade bei Patienten mit Wirbelsäulenbeschwerden der Faktor Zeit für eine individuelle, ausführliche Beratung und Behandlung wieder mehr in den Fokus rücken, denn eine Operation kann nur die letzte therapeutische Möglichkeit sein. Daher würde ich mir wünschen, dass Beratungsgespräche und auch konservative Therapien in Zukunft besser wirtschaftlich abgebildet werden. Diese Verbesserungen sind aber nur zusammen zu schaffen. Daher sollte der Fokus für die folgenden Jahe auf einem interdisziplinären, wissenschaftlich orientierten und technologisch inspirierten Ausbau der Wirbelsäulenchirurgie unter dem bewährten Dach der Deutschen Wirbelsäulengesellschaft liegen.

Herzlichen Dank an:
PD Dr. med. Rolf Sobottke (Klinik für Orthopädie, Medizinisches Zentrum StädteRegion Aachen)
Dr. med. Fridtjof Trommer (Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie, Luisenhospital Aachen)
PD Dr. med. Christian-Andreas Müller (Klinik für Neurochirurgie, Uniklinik RWTH Aachen )
Prof. Dr. med. Philipp Kobbe (Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie, Uniklinik RWTH Aachen)
Dr. med. Yasser El Mansy (Klinik für Orthopädie, Uniklinik RWTH Aachen)

Ausführliche Informationen zum Symposium und das wissenschaftliche Programm finden Sie auf der Tagungshomepage www.euregioaachen-wirbelsaeulensymposium.de.