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Virologen diskutieren aktuelle Erkenntnisse zur Bekämpfung des Zika-Virus

Münster. Bei der 26. Jahrestagung der Gesellschaft für Virologie e. V. (GfV) vom 6.- 9. April in Münster werden aktuelle Maßnahmen zur Bekämpfung des Zika-Virus diskutiert. In Deutschland sind schon 24 Menschen erkrankt, doch sind bei den diesen Zika-Fällen ausschließlich Reiserückkehrer betroffen. Da das Virus aus der Familie der Flaviviren durch Tigermücken übertragen werden könnte, die nur vereinzelt in Deutschland zu finden sind, sei die Gefahr hier als gering einzuschätzen, beruhigt Prof. Dr. Jonas Schmidt-Chanasit, Leiter der Virusdiagnostik am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) in Hamburg: „Ein Ausbruch wie in Brasilien ist nicht zu erwarten.“

Seit das brasilianische Gesundheitsministerium Ende 2015 einen Anstieg von Geburtsschäden im Nordosten Brasiliens im zeitlichen Zusammenhang mit einer Zika-Virus-Epidemie verzeichnete, bestätigte sich der Verdacht auf eine sogenannte Mikrozephalie bei Neugeborenen nach Zika-Infektionen während der Schwangerschaft: „Der Kopfumfang bei der Geburt der Babys liegt deutlich unter 32 Zentimetern. Die Kinder sind häufig geistig behindert, weil das Gehirn unterentwickelt ist, oder sie versterben bereits vor der Geburt“, so Prof. Schmidt-Chanasit.

Nachdem die WHO Anfang Februar den "weltweiten Gesundheitsnotstand" ausgerufen hat und auch eine sexuelle Übertragung möglich ist, sollten nach Angaben der deutschen Gesellschaft für Virologie männliche Reiserückkehrer, bei denen eine akute Infektion nicht ausgeschlossen werden kann, für einen Zeitraum von drei bis vier Wochen Kondome verwenden – auch wenn es noch keine Studien dazu gibt, wie lange das Virus im Sperma nachzuweisen ist.

Da eine Impfung oder wirksame Behandlung noch nicht zur Verfügung steht, sollten Reisende sich mit körperbedeckender Bekleidung schützen und Mückenschutzmittel verwenden und schwangere Frauen überhaupt nicht in die betroffenen Gebiete reisen. „Gesunde und nichtschwangere Frauen müssen vor dieser Infektion im Allgemeinen keine Angst haben.“ Wie Prof. Schmidt-Chanasits betont, fallen die Symptome der Zika-Virusinfektion meist milde aus. Nach zwei bis drei Tagen mit leichtem Fieber, Gelenkschmerzen und Hautausschlag sei die Infektion in der Regel überstanden. Reiserück-kehrer mit Verdacht auf Zika-Virus Erkrankung sollten sich dennoch in ärztliche Behandlung begeben.

Wie bei heimkehrenden Touristen am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin nachgewiesen wurde, tritt das Zika-Virus bereits seit einigen Jahrzehnten in Asien und seit 2007 in Mikronesien und Polynesien auf. 2015 wurden Infektionen mit dem gleichen Virustyp erstmalig auch in Brasilien beschrieben. Ob das Virus mit der Fußball-WM 2014 nach Südamerika eingeschleppt wurde oder unbemerkt schon vorher einige Jahre zirkulierte, ist unklar. Für die Olympischen Spielen 2016 ist zum Schutz der deutschen Athleten das Biosicherheitsprogramm des Auswärtigen Amts ins Leben gerufen worden. Prof. Schmidt-Chanasit identifiziert mit einem sogenannten Stechmücken-Monitoring in Rio de Janeiro Arbovirus-Hotspots. Auf Grundlage dieser Daten kann eine Stechmücken-Bekämpfung frühzeitig und gezielt erfolgen. Darüber hinaus werden mit diesen DatenRisiko-Karten erstellt, weil in bestimmten Gebieten die Infektionsgefahr zu hoch ist.

Alle Informationen zum Virologen-Kongress in Münster sowie das gesamte wissenschaftliche Programm finden Sie unter www.virology-meeting.de.