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US-Forscherin, die Ebola-Impfstoff entwickelte, bei Virologentagung in Bochum

Bochum. Vom 18. bis 21. März 2015 findet in Bochum die 25. Jahrestagung der Gesellschaft für Virologie e. V. (GfV), der größten wissenschaftlichen Fachgesellschaft der Virologie in Europa, gemeinsam mit der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten e.V. (DVV) statt. Ein wichtiger Schwerpunkt der Tagung mit 1.000 Virologen ist die Entwicklung von antiviralen Impfstoffen. Als ein Highlight wird die Forscherin Dr. Nancy Sullivan vom Vaccine Research Center des National Institutes of Health (NIH), USA, erwartet. Ihrem Team gelang an dem renommierten Forschungszentrum für Infektionskrankheiten die Entwicklung des vielversprechenden Ebola-Impfstoffs, der jetzt in Ebola-Gebieten in Westafrika getestet wird.

Dr. Nancy Sullivan wird über den aktuellen Stand des Ebolavirus-Impfstoffes sprechen, der in den ersten klinischen Studien gut verträglich war und zur Bildung von Antikörpern gegen das Ebolavirus führte. Das Ebolavirus wurde 1976 entdeckt und zählt zu den gefährlichsten bekannten Krankheitserregern. Nach der Epidemie 1976 in Zaire, der heutigen Demokratischen Republik Kongo, brach die bisher größte Epidemie 2014 in Guinea aus und weitete sich auf Sierra Leone und Liberia aus. Inzwischen hat die Ebola-Epidemie in Westafrika mehr als 9000 Menschenleben gefordert.

Die Entwicklung eines präventiven Impfstoffs wurde beschleunigt vorangetrieben,um bei der westafrikanischen Ebola-Epidemie die Ausbreitung des Virus unter Kontrolle zu bekommen. Nachdem ein von Dr. Sullivan entwickelter Impfstoff bereits im Jahr 2000 an Affen erfolgreich getestet worden war und die Tiere nach einer Auffrischungs-Impfung sogar dauerhaft vor dem Ebola-Virus geschützt waren, startete man nun mit dem Nachfolge-Impfstoff CAD3-EBO in einer Phase 1 Studie die klinische Bewertung, wie im November 2014 das New England Journal of Medicine berichtete, eine der angesehensten medizinischen Fachzeitschriften.

Nancy Sullivan arbeitete seit den späten 1990er Jahren an der Entwicklung eines Impfstoffes, der vor dem tödlichen Ebola-Virus schützen sollte, das immer wieder in abgelegenen Teilen von Afrika auftrat und infizierte Menschen sehr schnell tötete. Im Jahr 2000 gelang Dr. Sullivan mit ihrem Impfstoff bei Affen eine erfolgreiche Immunisierung und sie berichtete in der Zeitschrift Nature, dass vier geimpfte Affen eine sonst tödliche Dosis von Ebola überlebten.

Doch musste der Impfstoff über mehrere Monate wiederholt angewendet werden – zuviel Zeit bei einem Ausbruch. Durch die Kombination mit einem speziellen Adenovirus, gelang es, das genetische Ebola-Material wirksamer zu verabreichen.

Bei den ersten Tests am Menschen wurden verschiedene Dosen des Impfstoffs CAD3-EBO geprüft. Zwanzig gesunde Erwachsene in Gruppen von je 10 Personen erhielten eine intramuskuläre Impfung. In einer Nachbeobachtungszeit von 4 Wochen zeigten alle Teilnehmer eine T-Zell-Reaktion und spezifische Antikörper, die bei höherer Dosis sogar verstärkt auftrat. Das Testergebnis lässt einen Impfschutz erwarten.

Im Januar 2015 berichtete das New England Journal of Medicine von einer weiteren Studie an 60 gesunden Freiwilligen in Oxford, Großbritannien, denen eine Einzeldosis des Impfstoffs in vier unterschiedlichen Konzentration verabreicht wurde. In den folgenden 4 Wochen zeigte keiner der Geimpften bedenkliche Nebenwirkungen. Bei Anwendung aller Impfdosen hatten sich Antikörper gebildet. Die Antikörperreaktionen waren nach 4 Wochen in der Hochdosis-Gruppe am höchsten. Inwieweit die entwickelten Impfstoffe tatsächlich vor einer Ansteckung schützen muss noch weiter untersucht werden.

Die Gesellschaft für Virologie e. V. (GfV) stellt auf ihrer Jahrestagung in Bochum neueste Forschungsergebnisse zur Bekämpfung von Viruskrankheiten vor. Unter der Leitung von Kongresspräsident Prof. Dr. med. Klaus T. Überla tauschen sich rund 1000 Experten über weitere Schwerpunkte wie die Entwicklung von Impfstoffen gegen HIV oder das Pandemierisiko durch neue und bekannte Influenzaviren sowie über Diagnose und Therapie von Viruserkrankungen aus. Renommierte Referenten aus China, den USA, Kanada, Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden und Deutschland diskutieren über alle wichtigen Aspekte der Virologie.

Alle Informationen sowie das gesamte wissenschaftliche Programm finden Sie auf der Tagungs-homepage unter www.virology-meeting.de.