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Innovative Entwicklungen aus Dresden: Licht und Strahlung für die Medizin

Dresden. Wenn sich ein Medizintechniker und ein Medizinphysiker aus Dresden entschließen, eine gemeinsame Konferenz ihrer beiden Fachgesellschaften unter Einbeziehung ihrer österreichischen und schweizerischen Kollegen zu organisieren, dann steckt viel mehr dahinter, als dass sich medizintechnische und medizinphysikalische Geräte in Krankenhäusern befinden und vorrangig von Ärzten bedient werden. „Die Motivation liegt in einer gemeinsamen strategischen Ausrichtung, in der Begeisterung für die Strahlung: als Röntgenstrahlung oder Teilchenstrahlung in der Medizinphysik, und als sichtbares oder unsichtbares Licht in der Medizintechnik“, betonen die beiden Tagungspräsidenten von der Technischen Universität Dresden, Prof Dr. rer. nat. Wolfgang Enghardt (OncoRay – Nationales Zentrum für Strahlenforschung in der Onkologie) und Prof. Dr.-Ing. Hagen Malberg (Institut für Biomedizinische Technik). Er gibt einen Einblick in die spannende Materie:

 

 „Die Medizintechnik ist in einer strategischen Umbruchphase. Neue Technologien betreffen vor allem Innovationen im Bereich der Telekommunikation, der Mess-, Überwachungs-, und Assistenzsysteme und der Smartphonetechnologie. Und diese neuen Technologien ermöglichen es uns, Informationen und Messwerte über unseren Körper und unsere Lebensgewohnheiten zu erlangen, was früher fast ausschließlich nur der Arzt in seiner Praxis oder in der Klinik konnte. Im Kontext des demographischen Wandels und des zunehmenden Drucks auf die Versorgungssysteme wird daher sehr stark über die Schaffung von neuen digitalen Infrastrukturen nachgedacht und wie sich die medizinische Versorgung und Pflege aus der Klinik immer mehr in das häusliche Umfeld verlagern wird. Dabei sind viele technische Aufgaben zu lösen, wie z.B. die Datensicherheit, Verfügbarkeit und Genauigkeit, die auf der Tagung diskutiert werden. Gleichzeitig gibt es auch wirtschaftlich strukturelle Herausforderungen. Und nicht zuletzt muss der Patient die neue Technik akzeptieren und benutzen wollen. Dresden ist mit seiner starken wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Ausrichtung zur Halbleiter- und Telekommunikationstechnik ein sehr guter Ort, um diese Themen zu diskutieren und voranzubringen. 

 

Für die größte medizintechnische Herausforderung für die Zukunft halte ich es, die klassische Krankenhausmedizintechnik, die wir als unkomfortabel und unangenehm empfinden und die uns an Alter, Schwächen und Krankheit erinnert, in eine völlig andere Art von Gesundheitstechnik weiterzuentwickeln, die plötzlich chic und modern ist, die motiviert und die sogar Spaß macht. Der Patient, dem aktuell im klinischen Ablauf der evidenzbasierten Medizin eher eine passive Rolle zugedacht ist, muss als ein aktives Glied der Behandlungskette gewonnen werden. Das ist eine sehr große interdisziplinäre Herausforderung, insbesondere für die Medizintechnik! Die Fachgebiete der Mess- und Automatisierungstechnik, der Biosignalverarbeitung und der Implantattechnologien nehmen daher auf der Tagung einen großen Raum ein. 

 

Eine spezielle Innovation stellen dabei die kontaktlosen, insbesondere die optischen Messverfahren dar, bei denen auch mehrere Dresdner Forschungsinstitutionen sehr aktiv sind. Für die Medizintechnik ist Licht der Träger von physiologischen Informationen der Zukunft! Heute ist es möglich, aus der Distanz optisch kardiopulmonale Signale, wie die Herzfrequenz, die Atmung und die Perfusion bei hoher Genauigkeit zu messen. Innovative laseroptische Messverfahren finden sowohl in der Augenheilkunde als auch in der Zahnmedizin Anwendung.“ 

 

Ein weiterer Schritt zu innovativen Entwicklungen ist die Einrichtung eines Diplomingenieur-Studiengangs „Biomedizinische Technik“, die von der Fakultät Elektrotechnik und Informationstechnik und der Medizinischen Fakultät „Carl Gustav Carus“ der TU Dresden gemeinsam geplant wird. „Basierend auf dem Anspruch der deutschen Diplomingenieursausbildung liegen hier die Schwerpunkte in der Anwendung modernster Elektro- und Informationstechnologien – z.B. Mikrosystemen, Telekommunikation, Implantate –, aber auch in der Strahlenanwendung in der Medizin“, so Prof. Malberg.  

 

Innovative Funktionen von Licht und Strahlung für die Medizin ist eins der spannenden Themen der Gemeinsamen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Biomedizinischen Technik (DGBMT) und der Medizinischen Physik vom 10.–13. September 2017 im Internationalen Congress Center Dresden. Rund 1.300 Teilnehmer werden zur Dresdner Tagung erwartet, die gleichzeitig auch die  Dreiländertagung für Medizinische Physik der deutschen, österreichischen und schweizerischen Fachgesellschaften für Medizinische Physik, DGMP, ÖGMP und SGSMP ist. Das breit aufgestellte wissenschaftliche Programm verdeutlicht die zunehmende Vernetzung der Biomedizinischen Technik und der Medizinischen Physik in der klinischen Anwendung in Diagnostik und Therapie. Es ist mit weiteren Informationen auf der Tagungshomepage www.dgbmt-dgmp.de veröffentlicht.