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Ganzheitlich präventiv: Herz-Kreislaufexperten warnen vor weiterer Zunahme Ernährungs- und Bewegungsmangel bedingter Krankheiten

Berlin.  Ernährungsbedingte und aus Bewegungsmangel resultierende Erkrankungen nehmen stetig zu. Der Anteil übergewichtiger Deutscher steigt von Jahr zu Jahr: 49 Prozent der Frauen und 64 Prozent der Männer sind mittlerweile übergewichtig. Damit gehören die Deutschen zu den dicksten Europäern. Übergewicht allein macht zwar noch nicht krank, aber die daraus entstehenden Folgekrankheiten, wie der Diabetes, der Bluthochdruck und zu hohe Cholesterinspiegel, stellen ein großes Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen dar. In Deutschland sind diese, etwa die Koronare Herzerkrankung (Durchblutungsstörung des Herzmuskels und Herzinfarkt), nach wie vor die führenden Todesursachen. Hier besteht dringender Handlungsbedarf. Auf ihrer Jahrestagung in Berlin, die am 12. und 13. Juni stattfinden wird, diskutieren Experten der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen (DGPR) die aktuelle Lage mit dem Ziel Handlungsempfehlungen gesamtgesellschaftlich zu etablieren. 

Die DGPR empfiehlt beispielsweise eine mediterrane Kost als dauerhafte gesunde Ernährung zur Vorbeugung von ernährungsbedingten Herz-Kreislauferkrankungen. Diese Ernährungsform hat sich in den südlichen Ländern nachweislich als gesundheitsfördernd erwiesen. Dazu gehören Olivenöl, welches das LDL-Cholesterin günstig beeinflussen kann, ballaststoffreiche Vollkornprodukte sowie fünfmal Obst und Gemüse am Tag, die wegen der Vielfalt der gesundheitsfördernden Inhaltsstoffe gut nach den Ampelfarben (rotes, gelbes und grünes Gemüse) verteilt sein können, in Kombination mit einer großzügigen Verwendung von Salaten und frischen Kräutern. Wenn Fisch ab und zu auf der Speisekarte steht oder bei Fleischprodukten helles Fleisch vom Geflügel zum Einsatz kommt, ist die mediterrane Küche nahezu komplett. Ein mäßiger Genuss von Alkohol, wie Rot- und Weißwein darf ebenfalls dazugehören. 

Zudem ist für ein gesundes und vitales Leben ausreichende Bewegung und auch Sport unumgänglich, das gilt für Kinder wie für Erwachsene gleichermaßen. „Heute wissen wir aus vielen wissenschaftlichen Untersuchungen, dass übergewichtige Menschen, die Sport machen und fit sind ein geringeres Erkrankungsrisiko und eine bessere Lebensprognose haben als Normgewichtige, die sich nicht ausreichend bewegen“, erklärt die DGPR-Präsidentin Dr. Manju Guha.

10.000 Schritte pro Tag werden empfohlen. Das ist ein hoher Anspruch, aber auch ein guter Maßstab für ein ausreichendes Bewegungsmaß. Doch leider schaffen die meisten Menschen nicht einmal 3000 Schritte täglich zu gehen und nur zwischen 25 und 30 Prozent aller Deutschen machen regelmäßig Sport. Dabei ist wissenschaftlich schon lange belegt, dass mit viel Bewegung im Alltag (ideal sind 2.200 kcal pro Woche) und regelmäßigem Ausdauersport viele Risikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen behandelt und gesenkt und die Gesamtsterblichkeit der Menschen bis zu 35 Prozent reduziert werden kann. „Die DGPR empfiehlt Herz-Kreislaufkranken die Teilnahme an einer ambulanten Herzgruppe der DGPR wohnortnah. In einer Herzgruppe können Betroffene mit einer Herz-Kreislauferkrankung nach ärztlicher Verordnung in der Gruppe aktiv sein. Im Vordergrund steht nicht allein die Bewegung, sondern eine ganzheitliche präventiv orientierte Betreuung – gewährleistet durch einen qualifizierten Übungsleiter und einen Herzgruppenarzt“, rät Frau Dr. Guha. 

Auch die Prävention im Kindesalter müsse einen größeren Stellenwert einnehmen, als das bislang der Fall sei. Kinder müssen sich wieder mehr bewegen, denn die Zahlen an übergewichtigen Kindern steigen unaufhaltsam an. Dies führt neuerdings zu Typ 2-Diabetes (Alterszucker) bei Kindern und Jugendlichen mit zunehmender Prävalenz. 

Schätzungen zeigen, dass 80 Prozent der vorzeitigen Neuerkrankungen an der Koronaren Herzkrankheit auf ungünstige Lebensstilfaktoren zurückgeführt werden können. Verhaltensbezogene Risiken wie körperliche Inaktivität, Fehl- und Überernährung mit Übergewicht und Rauchen tragen entscheidend zum Auftreten von Herz-Kreislauferkrankungen bei und sind, insbesondere in Kombination, mit einer ungünstigen Prognose verbunden. Allein das Rauchen einer jeden Zigarette verkürzt das Leben um 29 Minuten. Diabetiker, die rauchen, erhöhen damit ihr Herzinfarktrisiko um das 8-10fache. Ähnlich sieht es bei Frauen aus, die die Pille einnehmen und gleichzeitig rauchen. In Deutschland sterben jährlich bis zu 140.000 Menschen an den Folgen von durch Rauchen entstandenen Krankheiten, typischerweise an Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, Atemwegserkrankungen, unterschiedlich lokalisierten Tumoren, Immun- bzw. Abwehrschwäche und Verschlimmerung bereits bestehender anderer Erkrankungen. Ein Rauchstopp kann innerhalb von 5-10 Jahren das Risiko des Rauchers auf das eines Nichtrauchers senken. „Wir kennen alle die immense Bedeutung eines gesunden Lebensstils für unsere Gesundheit, ignorieren sie aber auch ganz gern, wenn es uns zu unbequem ist“, fasst Manju Guha zusammen. 

Medienvertreter sind sehr herzlich eingeladen, die Tagung der DGPR in Berlin zu besuchen und zu diesen Themen mit Experten ins Gespräch zu kommen! Gern vermitteln wir Ihnen Interviews! Sie finden nähere Informationen zum Programm der Jahrestagung unter www.dgpr-kongress.de. Neueste Erkenntnisse zu den in dieser Pressemitteilung angesprochenen Themen sind im Symposium 9 zu erwarten, welches am 12. Juni 2015 von 16.20 Uhr bis 17.50 Uhr im Raum Sevilla, Meliá Berlin, Friedrichstraße 103, stattfindet.