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Die wenig bekannte Demenz des jüngeren Lebensalters – Expertentreffen zur frontotemporalen Demenz (FTD)

München. Vom 31. August bis 2. September 2016 findet die "10. International Conference on Frontotemporal Dementias (ICFTD 2016)" in München im Holiday Inn Hotel, City Center, statt. Die frontotemporalen Demenzen (FTD) sind im Vergleich zur Alzheimer-Krankheit selten und zählen daher zu den „Waisenkrankheiten“, den „Orphan diseases“. Im jüngeren Lebensalter, vor dem 65. Lebensjahr, sind die FTD neben der Alzheimer-Krankheit jedoch die häufigsten progredienten Demenzerkrankungen. Unter den FTD sind klinisch und pathologisch unterschiedliche, sporadisch auftretende oder familiäre Erkrankungen zusammengefasst, deren Gemeinsamkeit ein Nervenzelluntergang in den frontalen und temporalen Hirnregionen ist und die sich klinisch vor allem mit einer Wesensänderung und Verhaltensauffälligkeiten und/oder einer zunehmenden Aphasie äußern. Zudem gibt es klinisch, genetisch und pathologisch Überlappungen mit den atypischen Parkinson-Syndromen und den Motoneuron-Krankheiten (amyotrophe Lateralsklerose), so dass die FTD zu denjenigen Erkrankungen zählen, welche die Expertise von Psychiatern wie auch Neurologen erfordern.

Die besondere klinische Symptomatik, der relativ frühe Krankheitsbeginn und die Tatsache, dass bis heute effektive Behandlungsstrategien fehlen, führen dazu, dass die FTD für die Patienten und besonders auch deren Angehörige eine enorme Belastung darstellen.

Nach neuesten Erkenntnissen der Forschung, vor allem in Hinblick auf die molekularen Grundlagen der FTD, könnten bald effektive pharmakologische Therapien zumindest für bestimmte Subgruppen der FTD entwickelt werden. Aus der Ursachen- und Therapieforschung auf dem Gebiet der FTD können zudem Rückschlüsse auf die Pathogenese und mögliche Therapieoptionen anderer Erkrankungen gezogen werden, deren Ursache ein Nervenzelluntergang im Gehirn ist, so dass jeder Erkenntniszuwachs auf dem Gebiet der FTD auch einen potenziellen Fortschritt bei der Erforschung anderer neurodegenerativer Erkrankungen wie der Alzheimer-Krankheit darstellen kann.

Zur ICFTD 2016 werden 500 - 600 Teilnehmer erwartet – Neurologen, Psychiater, Neuropsychologen, Gerontologen und Grundlagenwissenschaftler. Im wissenschaftlichen Programm präsentieren internationale, hochkarätige Sprecher die aktuellen Erkenntnisse aus den Bereichen Epidemiologie, Symptomatik, Diagnostik, Neuropsychologie, Bildgebung, Neuropathologie, Genetik, Zellbiologie, Tiermodelle sowie nicht-medikamentöse Behandlung und psychopharmakologische Therapien.

Die ICFTD 2016 wird vom Klinikum rechts der Isar sowie einem süddeutschen Organisationsteam ausgerichtet: den ProfessorInnen Janine Diehl-Schmid, Manuela Neumann, Adrian Danek, Christian Haass, Günter Höglinger, Hans Förstl und Markus Otto. Weitere Informationen sowie das Programm gibt es auf der Kongresshomepage unter www.icftd2016.de.

Zeitgleich mit der Konferenz findet am Donnerstag, 01.09.2016, im Klinikum rechts der Isar ein „Internationaler FTD-Angehörigentag“ in Kooperation mit der Deutschen Alzheimer Gesellschaft und der Amerikanischen Association for Frontotemporal Degeneration (AFTD) statt, zu dem rund 200 Angehörige von Patienten mit frontotemporaler Demenz aus Deutschland und dem Ausland erwartet werden sowie Therapeuten, Pflegepersonal und interessierte Ärzte. Renommierte Forscher halten Vorträge zu klinischer Symptomatik, Diagnostik und Therapie, Angehörige berichten über ihre Erfahrungen und in Diskussionsrunden soll insbesondere auf die sozialmedizinischen Aspekte der Erkrankung eingegangen werden.

Hintergrund:

Die ICFTD findet alle zwei Jahre statt, zuletzt 2014 in Vancouver. Sie stellt die weltweit einzige internationale Fachtagung im Bereich dieser Demenzerkrankung dar und bietet klinisch tätigen Neurologen, Psychiatern, Geriatern und Neuropsychologen ebenso wie Wissenschaftlern aus den unterschiedlichsten Forschungsbereichen ein Forum zum Austausch mit dem übergeordneten Ziel, eine effektive Behandlung für Patienten mit FTD zu entwickeln.

Der wissenschaftliche Kongress ist englischsprachig, die Vorträge am „Internationalen FTD-Angehörigentag“ deutsch- und englischsprachig, wobei jeweils eine Simultanübersetzung angeboten werden wird.