Sehr geehrte Damen und Herren,          

nachdem wir uns Jahr für Jahr über einen Rückgang der Getöteten und Verletzten im Straßenverkehr freuen konnten und trotzdem unsere Präventionsarbeit weiter ausgebaut haben, müssen wir leider mit dem Jahr 2011 und den ersten Monaten 2012 zur Kenntnis nehmen, dass die Zahl der Getöteten und Verletzten im Straßenverkehr ansteigt. Die Gründe dafür sind noch nicht hinreichend deutlich. Es gibt Erklärungsversuche, die nachvollziehbar scheinen. Jedoch bedarf es einer genaueren Beobachtung und Forschung. Der DVR hat ein klares Ziel und mit der Vision Zero eine klare Strategie: Menschen machen Fehler, aber diese Fehler dürfen nicht mit einer schweren Verletzung oder dem Tod bestraft werden. Es gilt, das System Straßenverkehr Fehler verzeihender zu gestalten und den Menschen eine sichere Mobilität zu ermöglichen. Damit ist eine klare Botschaft auch an die Politik verbunden. Wir freuen uns in diesem Zusammenhang über das im Nationalen Verkehrssicherheitsprogrammdefinierte Ziel, bis zum Jahr 2020 die Zahl der Getöteten um 40 Prozent zu reduzieren. Dies wird allerdings nicht gelingen, ohne die Themen anzupacken, die einen besonderen Sicherheitsgewinn erwarten lassen. Lassen Sie mich nur an einige noch ungelöste Fragen erinnern:
Brauchen wir nicht endlich Maßnahmen, die es jungen Fahrern erlauben, auch nach ihren ersten Erfahrungen als allein verantwortliche Pkw-Lenker noch einmal gecoacht und trainiert zu werden?
Müssen wir nicht endlich den Unfallbrennpunkt Landstraße entschärfen?
Warum tut sich die Gesetzgebung mit einem Alkoholverbot am Steuer so schwer?
Wie schaffen wir es, die hohe Zahl tödlich verunglückter motorisierter Zweiradfahrer zu reduzieren?

Welche Beiträge können uns Psychologie und  Medizin liefern, wenn es darum geht, mehr Verständnis für überwachende und kontrollierende Maßnahmen zu wecken?

Verkehrspsychologie und Verkehrsmedizin geben interessante und wichtige Ansätze, die Verkehrssicherheitsarbeit breit auszubauen. In den letzten Jahren haben gerade Vertreter der Verkehrspsychologie und der Verkehrspädagogik gezeigt, wie man eng zusammen arbeiten und alle Disziplinen einbinden kann. Das ist ein Schlüssel, die Tür zu öffnen, die es möglich macht, an unseren gemeinsamen Zielen zu arbeiten.

Fehlerkultur, Fahreignung, Ablenkung im Straßenverkehr, Unfallrekonstruktion und Rehabilitation sind ausgesprochen wichtige Themen, die intensiv diskutiert werden müssen, um wirkungsvolle Interventionen zu ermöglichen.

Die Diskussionen um die Reform des Verkehrszentralregisters mit seinem Punktesystem haben gezeigt, wie wichtige der interdisziplinäre Austausch ist und welche zukunftsweisenden Vorgehensweisen gemeinsam erarbeitet werden können. Der enge Dialog, die konstruktive Auseinandersetzung und die Gestaltung gemeinsamer Vorgehensweisen sind der richtige Weg, sichere Bedingungen zu schaffen, damit individuelle Mobilität nicht mit dem Tod oder einer schweren Verletzung bestraft wird.

Die Vorstandsausschüsse des DVR sind ein gutes Beispiel, wie eng Verkehrspsychologie, Verkehrspädagogik, Verkehrsmedizin und Verkehrsrecht zusammen arbeiten und zielführende Vorgehensweisen entwickeln.

Mit dem Gemeinsamen Symposium der DGVM & DGVP existiert ein wichtiges Forum, diesen Austausch der verschiedenen Disziplinen zu fördern und auszubauen. Dafür möchte ich mich im Namen des DVR und der Verkehrsteilnehmer ganz herzlich bedanken und wünsche Ihnen viele spannende und intensive Diskussionen über eine noch sicherere Mobilität in der Zukunft.

Dr. Walter Eichendorf
Präsident des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR)