Durch Dialog zum Erfolg
Bericht vom 4. Deutsch-Russischen Kongress für Gynäkologie & Geburtshilfe in Berlin
Andreas D. Ebert (Berlin), Alla van Delft (Lübbecke), Arvind Chandra (Bad Münder) und Michael Tchirikov (Halle)
Großes fachliches Interesse aus den GUS-Staaten
Die Deutsch-Russische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DRGGG, gegr. 1999) führte am 3. und 4. November 2011 in der Berliner Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung den 4. Kongress mit internationaler Beteiligung durch. Über 150 FrauenärztInnen aus Russland und Deutschland, aber auch aus Kasachstan, der Ukraine, aus Kirgisistan, Usbekistan und aus Azerbaijan diskutierten aktuelle Fragen des Faches. Flankiert wurde der Kongress erstmals durch die gut besuchten Workshops Urogynäkologie (Ralf Tunn, St. Hedwigs-Krankenhaus), Geburtshilfe (Klaus Vetter, Vivantes Klinikum Neukölln), Ultraschall (Michael Entezami, Zentrum für Pränataldiagnostik) sowie durch den I. deutsch-russischen MIC-I-Kurs nach AGE-Kriterien im Vivantes Humboldt-Klinikum (Andreas D. Ebert, Vivantes Humboldt-Klinikum), die alle zweisprachig abgehalten wurden. Auf der Kongresseröffnung betonte der Präsident der DGGG, Prof. Klaus Friese (München), in seinem Grußwort die Rolle der deutsch-ausländischen Gesellschaften in der aktiven Arbeit der DGGG und die Bedeutung der russischen Frauenheilkunde. In seiner Eröffnungsrede rief der Botschafter Russlands, Exzellenz Wladimir N. Grinin, die anwesenden Frauenärzte beider Länder zu engster Kooperation auf, denn viele aktuelle Probleme, so z.B. Säuglingssterblichkeit und das Wiederauftreten von Infektionskrankheiten seien in der Welt noch lange nicht gelöst. Der Kongresspräsident, Prof. Andreas D. Ebert (Berlin), zeichnete die Geschichte, die Gegenwart und die Zukunft der DRGGG nach, um auf die anstehenden aktuellen Aufgaben zu verweisen. Prof. Eduard K. Ailamazyan (St. Petersburg) und Prof. Leyla Adamyan (Moskau) feierten in lebhaften und temperamentvollen Reden die Traditionen der deutschen und die russischen Schulen in der Frauenheilkunde – Aspekte, die der Präsident des Koch-Metschnikow-Forums, Prof. Helmut Hahn (Berlin), auf die gesamte Breite der Medizin adressierte.
Festvortrag, wissenschaftliches Programm und Posterpreise
Den bilingualen Festvortrag über den russischen Nestor der Frauenheilkunde Dmitri Oskarovitch von Ott (1855-1929) hielt Frau Prof. Ingrid Kästner vom Karl-Sudhoff-Institut der Universität Leipzig. D. v. Ott, dessen Familie (Otto) ursprünglich aus Straßburg stammte zählt zu den internationalen Pionieren der Laparoskopie, die er Anfang des 20. Jahrhunderts „Ventroskopie“ nannte.
Die vielbeachteten Hauptreferate hielten u.a. Prof. Wolfgang Holzgreve, der klare Aussagen zur Frage, wie wir die Mutter-Kind-Gesundheit in "Low income countries" nachhaltig verbessern können, machte und über seine Erfahrungen zwischen Medizin und Politik berichtete. Prof. Heinz Naegler (Berlin) sprach über das Leistungs- und das Finanzierungssystem als Teile des Gesundheitssystems in Deutschland – ein Thema, das besonders von den anwesenden russischen Klinikdirektoren und Entscheidungsträgern mit Interesse diskutiert wurde.
Das straff organisierte Programm umfasste insgesamt 45 Vorträge, gegliedert in die Blöcke Allgemeine Gynäkologie (Chairs: Prof. Ailamazyan, Prof. H.P.G. Schneider), Gynäkologische Onkologie & Senologie (Chairs: Prof. Kaufmann, Prof. Semiglazov), Gynäkologische Onkologie & operative Gynäkologie (Chairs: Prof. Maximov, Prof. Ebert), Pränatalmedizin & Geburtshilfe (Chairs: PD Dr. Entezami, Prof. Rath), aktuelle Probleme der klinischen und wissenschaftlichen Geburtshilfe (Chairs: Prof. Vetter, Prof. Schneider), Endokrinologie, Myome und Endometriose (Chairs: Prof. Tinneberg, Prof. Adamyan), Endokrinologie & Reproduktionsmedizin (Chairs: Dr. Chandra, Prof. Yarmolinskaya). Insgesamt wurden auch 40 Poster peer-reviewed und ausgestellt. Erstmals wurden auf einem deutsch-russischen Kongress Posterpreise von einer hochrangigen Jury aus DRGGG-(Noch)-Nichtmitgliedern vergeben. Prof. Ebert (Berlin) und Prof. Ailamazyan (St. Petersburg) ehrten.
mit dem 1. Posterpreis: Dr. Michael Anapolski (Dormagen) Pectopexie – ein vielversprechendes Verfahren zur Korrektur des vaginalen Deszensus,
mit dem 2. Posterpreis: Dr. Elena Kavetladze (Moskau) The new opportunities of differential diagnosis of endometriomas,
mit dem 3. Posterpreis: Prof. Arnold Pollak (Wien) Newborn screening for lysosomal storage disorders.
Neue Struktur, neuer Vorstand und neue Mitglieder
Die DRGGG hat Kurs auf eine umfassende Modernisierung genommen. Seit 6 Monaten verfügt sie über ein modernes Sekretariat in Jena, das von der Kongressorganisation Conventus organisiert wird. Das Sekretariat ist unter folgender Adresse zu erreichen:
Sekretariat der DRGGG (gegr. 1999)
Conventus Congressmanagement & Marketing GmbH
z. Hd. Herrn Sebastian Leipelt
Carl-Pulfrich-Straße 1, 07745 Jena
Telefon +49 3641 31 16 142; Telefax +49 3641 31 16 243
drggg(at)conventus.de; www.drggg.eu
Die 1999 definierten Ziele der DRGGG wurden vor den sich wandelnden politischen und ökonomischen Hintergründen 2011 neu definiert. Auf der ordentlichen Mitgliederversammlung wurde der neue Vorstand (2011-2014) gewählt: Prof. Andreas D. Ebert (Vorsitzender, Berlin), Prof. Michael Tchirikov (Stellvertreter, Halle), Dr. Arvind Chandra (Schatzmeister, Bad Münder), Dr. Klaus Trillsch (Bielefeld), Prof. H.P.G. Schneider (Ehrenpräsident, Hamburg/Münster) und Dr. Alla van Delft (Lübbecke, Schriftführerin). Der assoziierte Vorstand wurde bestätigt bzw. durch Zuwahl erweitert: Prof. E. K. Ailamazyan (St. Petersburg), Prof. I. Berlev (St. Petersburg), Prof. W. Holzgreve (Berlin/Bonn), Prof. M. Kaufmann (Frankfurt/M), Doz. Dr. Tatyana Makarenko (Krasnoyarsk), Prof. S. J. Maximov (St. Petersburg), Dr. W. Pauker (Essen), Prof. W. Rath (Aachen), Prof. V. F. Semiglazov (St. Petersburg) sowie Prof. G. T. Sukhikh (Moskau, Zusage steht noch aus). Auf dem Kongress sind der Gesellschaft 37 neue Mitglieder beigetreten, so dass die Zahl aktiver Mitglieder jetzt 104 beträgt.
Die Perspektiven für 2012 und 2013 - München und Kaliningrad (Königsberg)
Die nächste wissenschaftliche Sitzung findet im Rahmen des anstehenden DGGG-Kongresses im Oktober 2012 in München statt. Der 5. Kongress der DRGGG wird 2013 in Russland stattfinden, wobei derzeit Kaliningrad (Königsberg), Rjasan und Moskau um die Austragung kandidieren. Die Vorträge des 4. Kongresses können bereits als pdf-Dateien unter www.drggg-kongress.de abgerufen werden. Die Abstracts erschienen bereits in der Geburtshilfe und Frauenheilkunde, wobei ausführliche Berichte auch in russischen Publikationsorganen erscheinen werden.
Kontakt/Informationen:
Prof. Dr.med. Dr. phil. Dr. h. c. Andreas D. Ebert
Klinik für Gynäkologie & Geburtsmedizin
Vivantes Humboldt-Klinikum
Am Nordgraben 2, 13509 Berlin
T: +49 30 130 12 1261
F: +49 30 130 12 1262
Mail: andreas.ebert(at)vivantes.de

