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13.-15.09.2012 // Interview: 43. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC) und 17. Jahrestagung der Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen (VDÄPC)
DGPRÄC-Patientenforum: „Implantate – (un)bedenklich? – Folgen und Komplikationen“. Interview mit betroffener Brustimplantat-Patientin. Minderwertiges Brustimplantat statt versprochener Top-Qualität.
Bremen. Bevor sich Andrea L. vor 9 Jahren aus kosmetischen Gründen Brustimplantate einsetzen ließ, hatte sie sich eingehend informiert. Nach mehreren Beratungsgesprächen entschied sie sich für das teuerste Angebot. Statt der versprochenen Top-Qualität wurde ihr ein minderwertiges Silikonimplantat eingesetzt, das ihr jahrelang Schmerzen bereitete und vor 5 Wochen ausgetauscht werden musste. Um anderen Betroffenen zu helfen, stellt sich Andrea L. betroffene Patientin bei einer Podiumsdiskussion in Bremen zur Verfügung - neben Fachärzten für plastische und ästhetische Chirurgie, einem Fachanwalt für Medizinrecht sowie Experten im Bereich Silikon-Brustimplantate, die das Thema aus Ihrer Sicht darstellen. Unter dem Motto: „Implantate – (un)bedenklich? – Folgen und Komplikationen“ wird das brisante Thema „Ästhetische Brustchirurgie nach dem PIP-Implantate-Skandal“ beim öffentlichen Patientenforum im Rahmen der 17. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen e.V. (DCPRÄC) beleuchtet. Für alle Interessierten besteht die Möglichkeit, Fragen direkt an die Experten zu stellen oder anonym über eine Fragekarte.
KA: Seit dem Skandal um die PIP-Implantate sind viele verunsichert – Brustkrebspatientinnen mit einem Brustaufbau nach der Operation und Frauen, die sich aus kosmetischen Gründen ein Brustimplantat einsetzen ließen. Viele Frauen haben sofort reagiert und sich sicherheitshalber das Implantat auswechseln lassen. In welchen Fällen kann es aus Ihrer Sicht sinnvoll sein, präventiv die Implantate entfernen zu lassen? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?
„Bei mir wurden genau solche Implantate implantiert, die von dem Skandal betroffen sind. Ich habe direkt in meinen Implantatpass geschaut, als das bekannt wurde und war erst einmal froh, dass ich keine PIP-Implantate eingesetzt bekommen habe. Dann stellte sich heraus, dass meine Brustimplantate von einer sauerländischen Firma kamen, die auch betroffen ist. Im Implantatpass stehen Hersteller, Größe, Form und vor allem die Serien-Nummer. Deshalb wurde ich benachrichtigt, weil man über die Seriennummer wusste, dass meine Implantate mit betroffen sind. Die Klinik setzte sich mit mir in Verbindung, eine Woche später hatte ich einen Beratungstermin. Zwar war mein Operateur nicht mehr in der Klinik tätig, aber ein Kollege hat mich beraten und mir mitgeteilt, dass alles nicht so schlimm sei. Ich hatte den Eindruck, man hatte kein großes Interesse, die Implantate zu entfernen. Damit war ich nicht einverstanden und habe mir eine zweite Meinung eingeholt. Nach drei Beratungsgesprächen war meine Entscheidung klar: Die Implantate müssen aus Sicherheitsgründen ausgewechselt werden.“
KA: Welche Anzeichen können darauf hindeuten, dass Silikon austritt – worauf müssen Betroffene achten? Haben Sie selbst etwas davon bemerkt, dass Sie minderwertige Brustimplantate in sich haben oder gibt es Beschwerden, die darauf hinweisen könnten?
„Ich hatte jahrelang Schmerzen und habe mich untersuchen lassen, aber der Arzt sagte immer, das sei kein Grund zur Beunruhigung. Ich bin häufiger deswegen zum Arzt gefahren, aber er konnte nichts feststellen. Eigentlich sollten Implantate schon 10 bis 15 Jahre halten, dann muss man sorgfältiger mit Ultraschall nachschauen lassen. Theoretisch können sie auch lebenslang halten, wenn sie im guten Zustand sind. Rein optisch hatte ich auch keine Schwierigkeiten, aber ich hatte seit mehreren Jahren diese Schmerzen. Im Nachhinein habe ich Sorge, dass meine Implantate Silikon ausgeschwitzt haben. Vor 5 Wochen wurden sie mir entfernt, sie sind eingeschickt worden zur Untersuchung. Ich habe aber bisher noch keine Informationen bekommen.“
KA: Was denken Sie, aus Ihrer Erfahrung heraus: Wie sicher sind Silikonimplantate? War es für Sie eine Frage, ob Sie wieder Silikonimplantate einsetzen lassen oder haben Sie sich auch alternative Möglichkeiten für einen Brustaufbau überlegt?
„Grundsätzlich habe ich keine Silikonangst und bin davon überzeugt, dass sich nach diesem Skandal keine Firma mehr so etwas leisten kann. Ich habe mich gut informiert und habe mich für einen amerikanischen Hersteller entschieden, um kein Risiko mehr einzugehen. Da sind die Kontrollen besser und damit fühle ich mich wohler und sicherer.“
KA: Wie sieht es aus mit den Kosten – hat die Krankenkasse sich an dem Implantat-Austausch beteiligt?
„Sie sind mir finanziell ein kleines bisschen entgegengekommen. Es wurde ein Attest vom Gynäkologen verlangt, dass die Operation notwendig ist und ich habe mehrere Kostenvoranschläge eingeholt. Ich habe aber auch zum Teil widersprüchliche Informationen bekommen und schließlich wurde die Hälfte der Kosten übernommen – aber nur für das Entfernen, nicht für das Einsetzen der neuen Implantate. Implantate kosten 5.000 bis 6.000 Euro mit Einsetzen, das gleiche kostet dann noch einmal das Entfernen.“
KA: Es ist Ihnen ein Anliegen, anderen betroffenen Frauen zu helfen. Was würden Sie ihnen nach Ihren Erfahrungen raten - worauf müssten sie achten?
„Das ist schwer zu sagen. Damals habe ich mich nach diversen Beratungsgesprächen für das teuerste Angebot entschieden und dachte, ich bekomme dafür eine Top-Qualität. Das ist 9 Jahre her und ich weiss inzwischen, dass ich A-Ware bestellt habe und mir B-Ware verkauft wurde. Es macht mich wütend, dass der TÜV-Zettel kein richtiges Qualitätszertifikat war – da wird mit der Gesundheit gespielt. Da ist das Vertrauen in die Ärzte schon geschwächt. Auch jetzt sollte man vorsichtig sein und lieber mehrere Termine machen, um sich umfassend zu informieren und in Ruhe zu entscheiden. Wichtig ist auch ein Frauenarzt mit einem guten Ultraschallgerät, um zu überprüfen, ob stärkere Rupturen zu erkennen sind und das Implantat defekt ist. Außerdem sollte man ein Blutbild machen lassen, wobei eventuelle Entzündungswerte festgestellt werden. Ich möchte andere betroffene Frauen mit meinen Erfahrungen unterstützen, deshalb trete ich damit an die Öffentlichkeit.“
Die betroffene Patientin nimmt am Samstag, 15.9.2012 im Parkhotel Bremen, Im Bürgerpark von 12:00 bis 14:00 beim öffentlichen Patientenforum im Rahmen der 43. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen e.V. (DCPRÄC) an der Podiumsdiskussion teil und stellt sich für Fragen zur Verfügung.