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30.10.2012

07.-08.09.2012 // Pressemitteilung: 8. Gemeinsames Symposium Deutsche Gesellschaft für Verkehrsmedizin e. V. (DGVM) & Deutsche Gesellschaft für Verkwhrspsychologie e. V. (DGVP)

Verkehrsmedizin und Verkehrspsychologie - Neue Konzepte zur Fahreignung und Unfallvermeidung

Hamburg. Wie können Unfälle im Verkehr vermieden werden? Fast 400.000 Menschen wurden 2011 allein in Deutschland bei Unfällen verletzt, darunter waren 69.000 Schwerverletzte. 4002 Menschen starben im letzten Jahr bei einem Verkehrsunfall. Die Unfallursache ist in 90 Prozent der Fälle menschliches Fehlverhalten. Dazu zählen neben Verkehrsverstößen wie überhöhter Geschwindigkeit vor allem Trunkenheit im Verkehr und Beeinflussung durch Drogen. „Fahrunsicherheit, Unfallvermeidung, Unfallrekonstruktion und Rehabilitation Fahreignung“ sind die Schwerpunkte auf
dem 8. Gemeinsamen Symposium der Deutschen Gesellschaft für Verkehrsmedizin e.V. (DGVM) und der Deutschen Gesellschaft für Verkehrspsychologie e.V. (DGVP) am 7. bis 8. September 2012 in Hamburg, bei dem beide Fachgebiete die interdisziplinäre Zusammenarbeit optimieren wollen. In allen Themenbereichen erfordern Interdisziplinarität und Internationalität ganzheitliche Betrachtungsweisen und umfassende Regelungen.

Bei der körperlichen Fahreignung geht es insbesondere um eine Weiterentwicklung der
Eignungsrichtlinien, etwa in den Bereichen Neurologie, Psychiatrie und Anfallsleiden. Auf der Tagung werden Krankheiten diskutiert, die verkehrsmedizinisch besonders bedeutsam sind wie Epilepsie und Diabetes Mellitus. Aber auch andere neurologische, psychiatrische und internistische Krankheiten können Einschränkungen der Verkehrseignung zur Folge haben. So ist auch die immer wieder kontrovers diskutierte Fahrfähigkeit älterer Menschen im Straßenverkehr ein wichtiges Thema, das im Hinblick auf den demographischen Wandel hin zur Seniorengesellschaft immer mehr in den
Vordergrund rückt. Dabei kommt es weniger auf das tatsächliche Alter an als vielmehr auf Fragen von Leistungsdefiziten, die nicht durch Erfahrung kompensiert werden können. Neben medikamentenbedingter Beeinträchtigung der Fahrtüchtigkeit und körperlichen Einschränkungen spielen psychologische Aspekte eine große Rolle. Faktoren wie Aufmerksamkeit oder Stressresistenz können durch kognitives Training, zum Beispiel auch am Fahrsimulator, positiv beeinflusst werden.

Neuere Untersuchungen befassen sich mit Auswirkungen von Müdigkeit und Tagesschläfrigkeit auf Berufs- und Alltagsleben und Fahrtauglichkeit. Wie eine Studie aus Lettland belegt, die auf der Tagung vorgestellt wird, ist Schläfrigkeit vor allem ein Problem bei jüngeren Fahrern unter 40 Jahren.

Die Frage, inwieweit bei jungen Fahrern Persönlichkeitsfaktoren, Stärken und Schwächen analysiert, bewertet und im Sinne der zukünftig sicheren Teilnahme am Straßenverkehr beeinflusst werden können, wird auf dem Symposium ebenfalls diskutiert. Erste Ergebnisse einer sechsjährigen Langzeitstudie zeigen, dass eine Reihe von Persönlichkeits- und Einstellungsmaßen eine Vorhersage von Verkehrsdelikten erlauben - etwa Fahren mit überhöhter Geschwindigkeit und unter
Alkoholeinfluss. Auch durch spezielle Fahsicherheitstrainings kann nach neuesten
Forschungsergebnissen gerade bei jungen Fahrern ein erhöhtes Risikobewusstsein und ein stärker vorausschauender Fahrstil erreicht werden. Dass Rauchen nicht nur die Gesundheit beeinträchtigt, sondern auch negative Auswirkungen auf die Fahrtüchtigkeit hat, zeigen neue Untersuchungen über die eingeschränkte Farb- und Kontrastsehfähigkeit von Rauchern.

Wie massiv die Leistungsfähigkeit unter dem Einfluss von Alkohol zurückgeht, weist eine spezielle Studie zur Fahrtüchtigkeit von alkoholisierten Schiffsführern am Fahrsimulator nach, bei der die Beeinträchtigungen des Konzentrationsvermögens und der seemännischen Sorgfalt sowie eine gesteigerte Risikobereitschaft besonders auffällig waren. Die Festlegung eines Grenzwertes von 1,0 Promille BAK (Blut-Alkohol-Konzentration) für die absolute Fahruntüchtigkeit am Ruder wird auf dem
DGVM- und DGVP-Symposium von Fachwissenschaftlern der Verkehrsmedizin und der
Verkehrspsychologie gemeinsam diskutiert.

Zum Schwerpunkt Unfallrekonstruktion wird aus Hamburg der spektakuläre Unfall in Eppendorf mit 4 Toten dargestellt. Im Hinblick auf Fehlerkultur und Beweismittelsicherung geht es einerseits darum, Möglichkeiten der Verkehrsdiagnostik und -begutachtung aufzuzeigen. Andererseits wird diskutiert, wie die Polizei nach scheinbar unerklärlichen Verkehrsunfällen durch gezielte Untersuchungen weitere rekonstruktiv erforderliche Fakten bereitstellen kann - beispielsweise im Hinblick auf Alkohol, Drogen und Medikamenteneinfluss, Krankheitserscheinungen beim Fahrer, schließlich auch Durchsuchung des Fahrers, des Autos und der Wohnung.

In der aktuellen Unfallforschung werden bei der Rekonstruktion von Unfällen nicht nur medizinische Ursachen und Verläufe analysiert, sondern unter psychologischen Aspekten zunehmend auch technische Aufzeichnungen aus dem Fahrzeug (crash-recording) oder Videoaufnahmen von vielbefahrenen Straßenkreuzungen ausgewertet. Neue Erkenntnisse aus den Beschleunigungsdaten des Crash Recorders über das Bremsverhalten vor einer Kollision zeigen, dass zwar 86 Prozent der Fahrer vor einem Auffahrunfall gebremst haben - allerdings nur 1 Prozent mit der maximalen
Bremskraft, die für eine Unfallvermeidung erforderlich ist. Weitere Forschungen belegen, dass schon die regelmäßige Analyse von Beinahe-Unfällen und kritischen Situationen an viel befahrenen Straßen dazu beitragen kann, Unfälle zu vermeiden.
Weitere Informationen sowie das gesamte wissenschaftliche Programm finden Sie auf der Kongress-Homepage unter www.verkehr-symposium.de. Journalisten sind herzlich eingeladen, sich auf der Tagung und auf der Pressekonferenz über die neuesten Forschungsergebnisse im Bereich der Verkehrsmedizin und Verkehrspsychologie zu informieren und darüber zu berichten.

Die Pressekonferenz findet am Freitag, dem 7. September 2012 von 12 bis 13 Uhr im Seminarraum 108, Ostflügel des Hauptgebäudes der Universität statt.

Gern vermitteln wir Ihnen Gesprächspartner für Interviews!
Die Akkreditierung ist über die Kongress-Homepage oder direkt über den Pressekontakt möglich.

Pressekontakt:
Conventus Congressmanagement & Marketing GmbH
Kerstin Aldenhoff
Tel. 0172 / 3516916
kerstin.aldenhoff(at)conventus.de