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06.-07.09.2012 // Pressemitteilung: 6. Kongress der Mitteldeutschen Chirurgen
Interview mit MDCV-Präsident Prof. Felix Bonnaire. Chirurgen-Nachwuchs in Dresden.
Dresden. (ka) Dank des medizinischen Fortschritts werden Menschen werden immer älter und können bis ins hohe Alter operiert werden. Gleichzeitig fehlt es an Ärzten. In einem Drittel der deutschen Kliniken sind Facharztstellen unbesetzt, in der Hälfte fehlt ein Assistenzarzt. Das Thema Nachwuchsmangel ist ein Schwerpunkt auf dem 6. Kongress der Mitteldeutschen Chirurgenvereinigung e.V. (MDCV), die vom 7. bis 8. September zum ersten Mal in Dresden stattfindet. Angehende Mediziner haben die Möglichkeit, persönliche Bindungen zu den etablierten Kollegen in der Region aufzubauen. Neben den Vorteilen eines regionalen Netzwerkes versucht der MDCV, verstärkt Nachwuchs für die Chirurgie zu gewinnen. Wie sind attraktive Arbeitsbedingungen in der Region zu gestalten? Dazu ein Interview mit Kongresspräsident Prof. Felix Bonnaire, Chefarzt der Klinik für Unfall-, Wiederherstellungs- und Handchirurgie am Krankenhaus Dresden-Friedrichstadt.
Allgemein- und Viszeralchirurgie, Orthopädie und Unfallchirurgie, Kinder-, Gefäß- oder Thoraxchirurgie – Mitteldeutschland bietet alle Weiterbildungen zum Facharzt auf hohem Niveau und auch PJ-Studenten finden hier gute Ausbildungsmöglichkeiten. Weshalb ergreifen relativ wenige junge Mediziner den Beruf des Chirurgen?
„Chirurgie in Mitteldeutschland ist ein interessantes Berufsfeld für junge Mediziner und wir versuchen, Arbeitsbedingungen zu schaffen, in denen sich junge Chirurgen wohl fühlen. Die neue neue Chirurgen-Generation stellt hohe Anforderungen an ein Leben mit dem Beruf. Auf dem Dresdner MDCV-Kongress gehen wir die Nachwuchsprobleme an, gemeinsam mit Medizinstudenten und jungen Ärzten, und ich denke, wir sind auf einem guten Weg, gemeinsam Lösungen zu erarbeiten. Wichtig ist auch die Wertschätzung der jungen Kollegen. Sie kommen auf dem Kongress selbst zu Wort, halten Vorträge und zum ersten Mal findet auch ihre Posterpräsentation mit Direktbewertung und Preisverleihung vor dem gesamten Plenum statt.“
Unter den Medizinstudenten gibt es einen sehr hohen Frauenanteil. Mit ihren besseren Schulabschlüssen können sie sich für den Studiengang einschreiben und scheitern nicht am Numerus Clausus. Aber bisher werden nur 4 Prozent Chirurginnen. Was muss sich ändern?
„Wir wollen mehr Studentinnen ermutigen, sich für diesen spannenden Bereich der Medizin zu interessieren und für den Beruf des Chirurgen zu entscheiden, auch wenn das eine traditionell männlich besetzte Fachrichtung ist. In einer Situation, wo 60 Prozent der angehenden Mediziner Frauen sind, kann der bestehende Nachwuchsmangel durchaus auch als Chance für junge Ärztinnen gesehen werden. Um den Beruf des Chirurgen für junge Mediziner attraktiv zu machen, wollen wir bessere Bedingungen anbieten, Beruf und Familie zu vereinbaren. Dazu brauchen wir flexible Arbeitszeiten und gute Kinderbetreuung - die bieten wir zum Beispiel auf dem MDCV-Kongress in Dresden schon an.“
Ärztinnen mit Familie arbeiten häufig in Teilzeit. Weil das im Krankenhaus oft nicht möglich ist, wandern viele in andere Bereiche ab, zum Beispiel in die Verwaltung, auch weil es dort geregelte Arbeitszeiten gibt.
„In der Chirurgie werden bisher kaum Teilzeitstellen angeboten. Weil Vollzeitkräfte fehlen und in einigen Kliniken Facharzt- und Assistenzstellen unbesetzt sind, wächst das Angebot aber inzwischen. Es muss auch noch mehr flexible Weiterbildungsmöglichkeiten geben. Denn wenn nicht die volle Stundenzahl gearbeitet wird, ist es schwierig, Weiterbildungen zu realisieren – damit haben viele Ärztinnen ein Problem, ihre Facharztausbildung abzuschließen. Da muss noch einiges optimiert werden. Nur wenn unser Beruf attraktiver gemacht wird und die Rahmenbedingungen stimmen, können wir junge Mediziner dafür begeistern.“
Prof. Bonnaire, wir bedanken uns für das Gespräch.